Ich hatte das Gerücht gehört, dass William Wordsworth, der bekannte englische Dichter, und Fletcher Christian, der Held der Meuterei auf der Bounty, Klassenkameraden waren. Als mir diese Information zu Ohren kam, war ich sehr aufgeregt und dachte mir, was für eine spannende Geschichte! Doch ich habe zunächst nicht weiter darüber nachgedacht, bis mir jemand erzählte, dass Fletcher Christian nicht wie angenommen in der Südsee auf der Insel Pitcairn bei einem Massaker gestorben sein soll, sondern heimlich von der Insel floh und nach England zurückkehrte, wo er den Rest seines Lebens mit Familie und Freunden im Lake District verbracht haben soll. Nun, damals war der Lake District ein wilder Ort, in dem viele Flüchtlinge lebten. Es schien mir also eine plausible Geschichte zu sein. Denn falls Fletcher Christian nach England zurückgekehrt sein sollte, hätte er natürlich mit seinem alten Freund, dem Dichter William Wordsworth, gesprochen. Und dieser hätte natürlich ein Gedicht geschrieben welches ein Geheimnis und daher auch unveröffentlicht bleiben musste.
Ich lasse mich eigentlich von allem inspirieren, außer von realen Kriminalfällen. Ich schreibe nie über echte Morde, weil ich mir dann bewusst werde, dass es echte Morde mit echten Opfern und eben nicht „nur“ tote Körper sind. Die Toten haben Freunde, Familie und geliebte Menschen. Meine Ideen stammen aus dem Alltag: Ich lasse mich inspirieren von Geschichten meiner Mitmenschen, eine Kurzmeldung im Radio, einen seltsamen Absatz in einem Zeitungsbericht oder, wie auch bei der Grab-Tättowierung, einer Tatsache oder einem Gerücht. Ideen sind überall. Doch was mich bewegt und begeistert, muss nicht unbedingt andere Autoren reizen. Am Tag, an dem ich über Wordsworth und Christian gehört hatte, war ich in einem Raum mit 20 anderen Krimi-Autoren und dennoch war ich die Einzige, die sich hat mitreißen lassen und einen Roman daraus entwickeln wollte. Inspiration ist überall und einfach sehr individuell.
Es fällt mir schwer mir vorzustellen, für einen Roman mit irgendeinem anderen Autor zusammen zu arbeiten. Autoren haben sehr ausgeprägte Egos und sind gleichzeitig sehr verletzlich. Ich wäre wahrscheinlich sehr gekränkt, wenn man Vorschläge machen würde, die mir nicht gefielen oder gar behaupten würde, dass meine Arbeit auf irgendeine Art und Weise unzulänglich sei. Alleine zu arbeiten fällt mir viel leichter. Zu Beginn des Jahres habe ich mit sechs Nachwuchs-Autoren an einem Radio-Projekt gearbeitet. Ich legte das Grundgerüst des Stückes fest und sie mussten es ausformulieren und niederschreiben. Das fiel mir nicht einfach, da es im Grunde meine Idee war, die die Anderen für mich auszuführen hatten. Mir war unwohl dabei. Es liegt mir einfach nicht.
Filme liebe ich genauso wie Bücher – es gibt gute und schlechte Filme und es gibt gute und schlechte Bücher. Der große Unterschied liegt darin, dass ich Bücher jeden Tag lese, aber nicht täglich ins Kino gehe.
Wie die meisten Eltern würde ich mein Leben opfern, um mein Kind zu schützen. Wenn man Mutter oder Vater wird, ist dies eines der Dinge, die Deine Einstellung zum Leben ändert. Auf einmal gibt es tatsächlich jemanden, für den du dich vor eine fliegende Kugel stellen würdest und ich kenne keine Eltern, die darüber anders denken.
Es ist schwierig einen auszusuchen wenn so viele zur Auswahl stehen! Es gibt einfachere Antworten, wie George Bush oder Osama Bin Laden, aber ich vermute, dass der größte lebende Kriminelle vermutlich jemand ist, dessen Gesicht und Namen wir nicht kennen und der Teilbereiche unseres Lebens manipuliert, die massiv zur Misere der Menschheit beitragen. Wir werden wahrscheinlich nie herausfinden, wer diese Menschen sind und das ist etwas, über das wir Krimi-Autoren gerne schreiben: die Maske der Menschen hinunterzureißen, deren Taten eine größere Auswirkung haben als man auf den ersten Blick erkennen kann.
Zweifellos: Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson. Dieses Buch hat alles: große Prosa, Abenteuer, Spannung, beeindruckende Charaktere, exotische Schauplätze und eine hervorragende Schreibe. Seit meinem achten oder neunten Lebensjahr lese ich dieses Buch immer wieder und jedes Mal entdecke ich etwas neues, beeindruckendes und witziges darin. Dieses Buch hat alles und Stevensen war obendrein ein fantastischer Erzähler.
Das wir gemein sind. Es gibt viele Witze über Schotten, die keine Runde ausgeben wollen oder die alles tun würden, um Geld zu sparen. Meine Erfahrungen haben mich jedoch vom Gegenteil überzeugt. Ich halte die Schotten für sehr großzügige und freundliche Menschen. Die meisten, die mein Land besuchen, würden zu dem Schluss kommen, dass dies nur Vorurteile sind, die nichts mit der Wahrheit zu tun haben.
Country-Dancing (schottischer Volkstanz)! Die beiden Länder unterscheiden sich eigentlich nicht allzu sehr. Beide lieben einen guten Drink, beide wissen wir zu feiern, beide verstehen was von Begeisterung und wie man sich zurücklehnt, um ein Fußballspiel zu genießen. Das Einzige was wir haben und euch fehlt, ist Country-Dancing! Mit einigen Tanzschritten könnten die Deutschen also komplett glücklich sein!
Robert Louis Stevenson. Weil ich mich mit ihm über “Die Schatzinsel“ unterhalten könnte, aber auch weil ich mit ihm über seine Lebenseinstellung sprechen könnte, die Einflüsse und die Entwicklung seines Schreibstils, die es ihm ermöglichten, solch ein vielseitiger Schriftsteller zu sein. Er war in allen Genres zuhause: Abenteuergeschichten, dunkle Psycho-Thriller, Romane über zwischenmenschliche Beziehungen, Gedichte, Reiseberichte, Kinderbücher … Ich würde mich gerne mit ihm hinsetzen und mit ihm darüber sprechen, was ihn zu solch einem vielschichtigen Schriftsteller gemacht hat.
Das Leben ist nie lange genug für all die Dinge, die wir erleben möchten...
Wie viele Flaschen Champagner sollen wir Ihnen aufs Zimmer bringen?